Virtual Klezmer

New Orleans Klezmer Allstars
fresh out the past

(Besprechung: Gus)

 

Lieder:

  1. Mr. 9 o‘clock (3.25)
  2. Dr. Lizard (7.14)
  3. The unholy Chazir (4.59)
  4. Struttin‘ with some doner kabob (4.04)
  5. Moroccan roller (2.05)
  6. Coney Island white fish (3.44)
  7. Aging raver’s personal hell (4.26)
  8. Not too eggy (2.12)
  9. MyLK (5.32)
  10. Klezmer defiance (2.47)
  11. Casablanca to L.A. for Yvonne Ohayon freilach Karnos (4.12)
  12. Hartman pick up your accordeon and play (3.57)
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Kommentar zu einzelnen Stücken:

Es handelt sich ausschließlich um Eigenkompositionen der Gruppe. Anlehnungen an bekannte Klezmer-Standard sind so gut wie überhaupt nicht zu erkennen.

 In Mr. 9 o’clock versuchen die NOKAs, einen Geschwindigkeitsweltrekord aufzustellen. Das Stück fängt mit Schlagzeug und Clarinette an. Gelegentlich sind kurze 2-Tone-Passagen und andere Rythmen eingestreut. Ein flotter Anfang.

Dr. Lizard ist Klezmer vermischt mit Fake-Jazz. Erinnert mich stark an die Lounge Lizards, der New Yorker Fake-Jazz-Gruppe um Mastermind John Lurie.  Und zwar zu deren besten Zeiten (“No Pain for Cakes” oder “voice of chunk”). Super Stück. Voller Rhythmus und Leben. Klezmer at it’s very best weil neu und unverbraucht und wagemutig!

The unholy Chazir gliedert sich in 2 Teile. Der erste Teil langsam und schleppend. Im zweiten Teil 4/4-Takt wird das Stück schneller (und besser). Doch klingt das Lied so, als wäre es in einem anderen Aufnahmestudio eingespielt worden. Die Aufnahme-qualität der anderen Stücke ist besser.

In Struttin‘ with some doner kabob steht die Clarinette im Vordergrund. Auch ein Gitarrensolo kann daran nur wenig ändern.

Moroccan roller rockt, daß die Balken brechen. WOW.

Eine kurze Verschnaufpause ist absolut überfällig, sonst hält man die CD einfach nicht durch. Coney Island white fish ist ruhig und sehr melodiös. Die Gruppe kann also nicht nur pushen, sondern auch was zum Schunkeln spielen (3/4-Takt).

Wenn man den Titel Aging raver’s personal hell liest, denkt man an weiß der Geier was. Doch das Stück ist eine getragene Improvisation vorwiegend auf dem Saxophon und beileibe niemandes Hölle. Auch das rhythmische Gehacke des Klaviers paßt ungemein.

Not too eggy fängt an wie eine Filmmusik aus einem alten Stummfilm (Das Kabinet des Dr. Caligari). Dann fliegt man über den “Grand Canyon” (siehe Abteilung Klassik). Eine passende Mischung, frech.

Ha, in MyLK hört man doch glatt mal bekanntere Töne. Ich kenne die Melodie, auch wenn ich sie nicht genau zuordnen kann. Das fällt mir aber auch noch ein, wetten! Na ja, soo toll ist das Stück aber nicht. Die Clarinette jammert mir zu viel.

Klezmer defiance – langsamer Rhythmus wird sukzessive schneller – Alle einsteigen, der Zug fährt  los! Nett.

Casablanca to L.A. würde ich anders nennen: “Psycho-Freilach”. Kontrastprogramm zum Rest der Platte. Kann man aber gelten lassen. Paßt zu dem jüdischen Prisma à la Pink Floyd (dark side of the moon) auf der Rückseite des Covers.

Hartman pick up your accordeon and play ist mein Lieblingsstück auf dieser überaus anstrengenden Platte. Nicht nur weil ich selber Accordeon spiele, sondern auch weil man hier deutlich sieht, daß die wirklich guten Stücke von der Melodie leben und in der Einfachheit die Kunst liegt. Schon dieses Stück allein rechtfertigt den Kauf der CD.

Fazit:
Der Titel der CD “Fresh out the past” ist Programm. Ich übertreibe vielleicht ein wenig, aber die CD ist meiner bescheidenen Ansicht nach ein Meilenstein in der modernen Klezmer-Musik. So frisch, humorvoll und unbelastet geht sonst keiner an diese Musik hin. Ich bin begeistert.

Bewertung:
6-hervorragend

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